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[Kurzgeschichten] Neugier
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Reply · Quote Shia (Administrator) #1
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Subject: Kurzgeschichte: Neugier
Ormon musterte eine Stelle des magischen Kreises besonders aufmerksam. Elivâns Fingernägel gruben sich in den Saum seiner Robe, mit der er nun seit beinahe einer Stunde seine Hände beschäftigte. Es war genau die Stelle bei der er sich nicht mehr absolut sicher gewesen war. Hunderte male hatte er die arkanen Symbole schon geübt und immer wieder hatte ihm sein Lehrmeister bestätigt, wie begabt er doch wäre und welches außergewöhnliche Verständnis er für die arkanen Künste besitze. Doch dieses mal war es anderes. Dieser Schutzkreis sollte nicht nur eine Übung um der Übung wegen sein. Nein diesmal würde der Schutzkreis ihn wirklich schützen müssen, falls etwas geschehen sollte.

Orman hatte sich für ihn eingesetzt. Er hatte es gescfhafft den Erzmagus davon zu überzeugen, daß Elivân - viel früher als die anderen Studenten der Akademie - sich praktisch mit dem Studium der arkanen Seiensebene befassen durfte. Nicht ganz uneigennützig, wie Elivân in Gedanken anmerkte. Sein Lehrmeister erzählte nur allzugerne, welche außergewöhnlichen Leistungen sein Schüler unter seinen Fittichen zu Stande brachte. Wenn er nun sogar mehr als zwei Jahre früher als geplant die arkane Ebene beretetn würde, wäre Ormon ein Platz im Gedächtnis der Akademie sicher. Und ein Platz im Gedächtnis der Akademie kam einem Hauch von Unsterblichkeit gleich. Seinen Schüler sollte es nur recht sein, konnte er auch nicht leugenen, ebenfalls einen gewissen Stolz im Hinblick auf sein Talent und seine Leistungen entwickelt zu haben.

Die Stimme seinens Lehrmeisters riß Elivân aus seinen Gedankengängen.
 "Nun gut, an dieser Stelle häte man noch ein wenig genauer sein können, aber für das Werk eines Studenten keine schlechte Arbeit."
Der Student antwortete mit einem raschen bestätigendem Nicken.
 "Also gut, also gut, daß du die Theorie beherrscht, hast du bereits mehrfach auf hervorrgagende Weise bewiesen. Nun hast du auch endlich die Gelgenheit deine praktischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Laß uns in den Kreis treten."
Schüler und Meister traten in die Mitte des etwa zwei Schritt breiten Kreises aus arkanen Symbolen.
 "Du weißt, daß dieser Raum von starkter Magie geschützt wird. Es wäre die in keinem Fall möglich ihn auf der arkanen Ebene zu verlassen. Allerdings gibt es schon in diesem Raum allein mehr Welten, mit mehr tödlichen Fallen und Gefahren, als Sterne am Himmel."
Orman liebte es bedeutsame Reden zu halten, wie sein Schüler einmal mehr bemerkte.
 "Aber dafür hast du ja den Schutzkreis errichtet. Dieser wird dich auffangen, falls du dich sozusagen verlaufen solltest. Und vergiß nicht das wichtigste: Öffne unter keinen Umständen deine Augen. Wenige große Magier schaffen es so viel Konzentration aufzubringen um sich nicht in den Wirrungen des Arkanum zu verlieren. Ich bezweifle nicht, daß du einmal zu ihnen zählen wirst, aber zu deiner eigenen Sicherheit, wollen wir lieber klein anfangen."
Ein väterliches Lächeln fand seinen Weg auf das Gesicht des Magus.
 "Keine Angst, ich bin sicher für jemand mit deinem Talent, ist dies ein Kinderspiel. Und in jedem Fall, werde ich dir ja ebenfalls beistehen. Gut, gut noch irgendwelche Fragen?"
Elivâns Kopf war wie leer gefegt.
"Nein - nein ich denke nicht."
 Im Lächeln Ormons blinkte eine Spur selbstzufriedenheit.
 "Sehr gut, sehr gut. Dann darfst du mit den Formeln beginnen."

Nun war es soweit. Ebenso oft wie die den Schutzkreis, hatte Elivân bereits die Formeln für den Eintritt in die arkane Ebene geübt. Er wußte, daß er sie beherrschte. Sagte ihm sein Lehrmeister nicht immer, welches natürliche Verständnis er für die arkanen Künste zeige? Allerdings war er ja beim Schutzkreis auch schon ins Stocken geraten. Mit ein wenig Mühe schüttelte er diesen Gedanken ab. Er atmete noch einmal tief durch und begann mit Hand, Mund und vor allem mit dem Geist die Beschwörungen zu formen, welche ihrerseits das Gefüge von Raum und Realität formten. Vor seinen geschlossenen Augen, sah er Symbol um Symbol und Zeichen um Zeichen vor sich auftauchen und aus jedem einzelnen ergab sich eine Überleitung zum nächsten. Aus einzelnen Zeichen entstanden Silben, aus Silben wuchsen Wörter, aus Wörtern enstanden Sätze und diese verwoben sich zu einer Kraft, welche sich in das Gefüge der Realität drängte. Der angehende Magier spürte, wie aus seiner eigenen Kraft etwas erwuchs, das die Wirklichkeit selbst beeinflußte.

Plötzlich konnte er es spüren. Es war viel mehr als spüren. Er wußte es. Er wußte um den Raum um sich. Er wußte um die Wände, welche ihn umgaben. Er wußte um die Kleidung die ihn umgab. Er wußte um den Körper, welcher seinen Geist umschloß. Aber ganz besonders, wußte er um die Magie, welche in seinen Schutzkreis gewoben war. Der Schutzkreis war nichtmehr nur am Boden um ihn herum. Er umschloß ihn ebenso wie der Raum. Aber es war nicht unangenehm. Es war ein Gefühl von Geborgenheit. Zu wissen, daß man beschützt wurde. Und plötzlich tauchte etwas vor ihm auf, etwas gewaltiges. Ein Ding, eine Kraft. Eine Kraft, in der die gleiche Macht lag wie ihn ihm. Diese Kraft konnte ihre Umgebung verändern. Aber da war so viel mehr in diesem Menschen. Es war etwas wie Farben, die man nicht sehen konnte. Wie Muster die man nicht verstand. Elivâns wollte es sehen, es wahrnehmen, alles in sich aufsaugen. Er wollte verstehen. Er mußte. Er öffnete die Augen.

Elivân sah. Er sah den Raum, er sah die Magie die in ihm steckte. Er sah Farben, Muster, Gerüche, Gedanken, Gefühle und so vieles, daß sein Verstand einfach nicht begreifen konnte. Er sah wundervolle Energieströme, welche alles zusammenhielten und gleichzeitig von einander fern hielten. Und er Sah vor sich den Menschen Ormon. Aber er sah nicht nur den Mann, er sah so viel mehr. Etwas so unbegreiflich wiedersprüchlich Seltsames, etwas, daß sich in sich selbst auf jede erdenkliche Weise so absolut wiederspach, daß es zu einer Komposition verschmolz, die das Innerste von Elivân erfaßte und nicht mehr los lies. Elivân wollte ihn dieses Gewirr von in sich verschmelzenden Sinneseindrücken eintauchen und es erforschen. Und kaum hatte sich in ihm dieser Gedanke gebildet, so glitt er auch schon auf dieses wundervolle etwas zu. Er wollte in dieses wundervolle etwas eindringen, wollte von ihm umschlossen werden. Auf seine Berührung hin, änderten sich die Farben und die Energieflüsse teilten sich. Zuerst war es mühsam, doch dann verstand er. Der zukünftige Magier schwebte durch die Formen und Farben und spielte mit diesen, wie mit ener gewaltigen schimmernden Luftblase, welche nicht zerplatzte sondern sich in immer kleinere Teile aufspaltete.

Als die einzelnen Teilchen so klein waren, daß sie mit ihrer Umgebung verschmelzen zu schienen erinnerte sich Elivân daran, wieder auf die materielle Seiensebene zurückzukehren. Langsam sank er durch pure Willenskraft wieder auf den Boden zurück, schloß die Augen und konzentrierte sich darauf, wieder zurückzukeheren. Ein Gefühl umspülte ihn, als wenn er ruckartig aus herrlich lauwarmen Wasser gerissen werden würde. Der Lehrling öffnete erneut die Augen und sah wieder den Übungsraum vor sich. Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder an den jetzt kalten und unendlich tristen Anblick gewöhnt hatte. Dann fiel ihm auf, daß sein Lehrmeister Ormon nicht im Raum war. Verwundert blickte er sich um. Vielleicht war er noch auf der arkanen Seiensebene und tauchte jeden Augenblick auf. Doch in dem Moment als sein Verstand diesen Gedanken geform hatte, begriff er was er getan hatte. Der Magus war sehr wohl noch im Arkanum. Aber er würde niemals wieder von dort zurückkehren. Eigenhändig hatte er das Wesen, die Essenz des Meisters regelrecht zerfetzt. Panik stieg in ihm auf. Was wenn die anderen Lehrmeister davon erfuhren? Man würde ihn der Akademie verweisen. All die Jahre des zermürbenden Studiums, welches schon so viele Opfer gefordert hatte, wären umsonst. Nein, das durfte nicht passieren.

Plötzlich wurde Elivân ruhig. Ein Plan begann sich in seinem Kopf zu bilden. Niemand würde ihm die Schuld geben.
"Wahret den Glauben. Die alten Götter werden wiederkehren."
Reply · Quote Bilé, Gott der Hölle #2
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Warum? bitte sagen sie mir warum ihm niemand schuld geben wird?

wieder eine sehr detailgetreu geschriebene Geschichte genau wie Feuer mit mir.

nur eine Sache habe ich dran auszusetzen: Elivân wusste, dass er die Augen nicht öffnen durfte, hat es dann aber trotzdem gemacht. Ich finde der Grund, die Neugier war noch nicht so weit hochgeschraubt, dass der Schüler seine allerwichtigste aufgabe versaut.
In nomine Dei nostri Satanas Luciferi excelsi!

In Namen Satans, dem Herrscher der Erde, dem König der Welt; befehle ich den Kräften der Finsternis, mir ihre höllische Macht zu verleihen!
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Reply · Quote Shia (Administrator) #3
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Die Schuld wird ihm wohl niemand geben, weil er sich was nettes ausdenkt. Vielleicht hören wir ja mal wieder von Elivân.

Ehrlichgesagt hab ich die Geschichte nach der Hälfte umgedreht. Deswegen kommts wohl auch nicht ganz stimmig rüber. Der eigentlichen Titel sollte 'Hochmut' sein. Jetz darf überlegt werden wieso.
"Wahret den Glauben. Die alten Götter werden wiederkehren."
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