Es war gerade Mitternacht als ein Mann, kreidebleich, in mein Lokal gerannt kam. Mein Name ist Jorgühn und ich bin der Besitzer des Pub´s " An der Grenze ". Falls sie noch nicht davon gehört haben, es liegt direkt an der Grenze zum toten Land. Ich bin der letzte Aufenthaltsort für die Helden, die das Abenteuer drüben auf der anderen Seite suchen. Außerdem führt eine Abkürzung des Viellauer-Handelsweg hier entlang. Auf jeden Fall kam dieser Mann vor ungefähr sechs Tagen hier reingestürmt und wollte etwas zu essen haben. Da seine Kleidung sehr alt und verschlissen aussah, fragte ich ihn ob er denn auch genug Geld habe. Er zückte einen kleinen Beutel und warf ihn auf den Tresen. Als ich diesen öffnete, fand ich darin schwarze Münzen. Ich habe ihn gefragt was das denn sollte, da ich solche Münzen nicht kannte. Er sagte: "Das sind Totmünzen, ich habe sie aus dem Toten Land mitgebracht." Ich fing lauthals an zu lachen. Es kamen ja schon viele hier herein, die gerade aus dem "Toten Land zurückgekehrt" waren, doch mich mit Falschgeld, versuchen zu bescheißen, das ist noch nie passiert. Ich wollte ihn gerade packen und nach draußen befördern, als er mir etwas zeigte. Es verschlug mir den Atem. Um seinen Hals herum hing ein Amulett. Ich kannte es und wusste genau, dass es jenes ist, welches ich meinem Vater, als er vor vielen Jahren gestorben war, mit in sein Grab legte. Das Grab war zu gut geschützt. Niemand hätte es von dort entwenden können. Ich schaute mir das Amulett, von dem ein unnatürlich widerlicher Geruch ausging, genauer an. Es war genau dasselbe, ich hatte es in den Händen gehalten, als ich vor dem Grab stand. Ich schaute den Fremden an. "Wie?", fragte ich, doch er zeigte mir mit einer Geste, dass er lieber beim Essen darüber reden wollte.
Ich rannte sofort in die Küche und zauberte dem Mann ein wunderbares Festmahl und setzte mich ihm gegenüber und lauschte, was er mir zu sagen hatte.
"Mein Name ist Aramus Lupin. Nachdem ich meine Ausbildung zum Hochmagier abgelegt hatte, begann ich, mich mit den Künsten der Nekromantie zu befassen. Ich fand sehr schnell heraus, wie ich die Toten beherrschen konnte und dann eines Tages fand ich in der Gruft des Gorgatuin, er war ein orkischer Nekromantist, ein Buch. Es war sehr schwer das Buch zu bekommen. Ich musste eine Menge Feinde abwehren. Als ich es dann in den Händen hielt, rannte ich sofort zu mir und studierte es bis ins kleinste Detail. Ich fand in diesem Buch eine Beschwörungsformel, wie ich nach dem Tod weiterleben kann. Ich wollte ein totes Wesen sein. Ich versuchte den Zauber sofort. Nach einigen misslungenen Versuchen, gelang es mir dann endlich. Es war ein wunderbar, schmerzvolles Gefühl, zu sterben und doch zu leben. Ich überlegte, was ich denn jetzt machen konnte. Zuerst habe ich als Toter gelernt anderen Menschen die Kräfte zu rauben und so wurde ich mächtiger. Nach einem Monat jedoch hörte der Zauber auf und ich wurde wieder ein Lebender. Ich war schockiert, dass der Zauber so schnell vorbeiging. Ich wollte unbedingt von Gorgatuin erfahren, wie ich den Zauber länger wirken lassen konnte. Ich versuchte seinen Geist mit zigtausend Beschwörungsformeln herbeizurufen, doch nichts half. Langsam kam in mir die Überlegung, dass er vielleicht nicht ganz tot war, wenn ich seinen Geist doch nicht rufen konnte. Also beschloss ich, mich dorthin zu begeben, wo alle, die nicht sterben wollen, hinkommen. Ich wusste, dass es im Toten Land von Giftgasen nur so wimmelte und, dass ein Lebender nicht viel zu Lachen hatte. Ich beschloss, die Verwandlung noch einmal durchzuführen. Es ist nun einen Monat her seit ich mich auf den Weg gemacht habe.
Der Weg über die Grenze war hart und hat mich mindestens einen Tag gekostet. Überall wimmelt es von Toten und obwohl sie nicht wirklich ein Gehirn hatten, waren sie doch sehr schlau und vor allem misstrauisch. Ich musste als erstes durch eine Schlucht, so tief als wäre ich in der Hölle. Dann erst kam ich an den ersten Wachposten. Ich wurde befragt von den dortigen Wachzombies und untersucht. Nachdem sie mich für tot erklärt hatten, bekam ich eine Bescheiningung und setzte meinen Weg fort. Ich kam auch bald darauf in ein kleines Dorf. Es war ein sehr komisches Gefühl, die Toten bei ihrer täglichen Arbeit zu sehen. Einige waren sogar dabei ihren Acker zu pflügen, obwohl dort sowieso nichts wächst. Ich kam an einem Haus, naja Haus konnte man das nicht gerade nennen: Es war vielleicht eher ein Klumpen mit Dach, vorbei und sah durch die Fenster wie dort kleine Kinder spielten. Das eine war ein Skelett und das andere ein Zombie. Mir kamen Leute entgegen, die mich mit einem Lächeln begrüßten. Ich horchte mich auch viel um, um etwas über den Ort zu erfahren, wo Gorgatuin "lebte". Sie sagten mir ich müsse in die große Stadt gehen und dort nachfragen. Sie erzählten mir, dass ich einfach dem Weg folgen müsse, der am Blutfluss liegt. Ich bedankte mich bei den Toten und folgte dem Weg. Nach einiger Weile kam ich an den Fluss. Ich dachte früher, es wäre nur ein roter Fluss, der wie Blut aussah, doch als ich näher herankam, kroch mir der schmackhafte Geruch entgegen. Als ich gerade einen Schluck nehmen wollte, hörte ich wie jemand hinter mir sagte:"Hey du, was machst du da?" Es war ein großer Geist, der da sprach. Ich tat so als wäre ich hingefallen, da tote ja keinen Durst haben können. Wir unterhielten uns auf dem Weg zur Großen Stadt über dies und jenes. Es war nun etwa zwei Wochen her, seit ich den Zauber ausgesprochen hatte und endlich erreichte ich die Stadt. Es war das schönste was ich je gesehen habe. Riesige Türme aus Knochen türmten sich vor mir auf. Eine Mauer aus schwarzem Fels umrandete die Stadt. Am Tor zeigte ich den Wachen meine Papiere und sie ließen mich ein.
Es war schöner als ich es mir je hätte vorstellen können. Überall liefen Skelette und Zombies umher. In einer Schmiede schmiedeten Zombies gerade ein Schwert aus schwarz-rot glänzendem Stahl. In einem Laden baten Verkäufer ihre Ware an. Es stellte sich heraus, dass auch Tote noch einen kleinen Geschmacksinn haben. Wenn sie altes, gammeliges, verschimmeltes Essen können sie noch etwas schmecken. Es ist nicht viel aber wenigstens etwas. Als ich an einen großen, mit schwarzem Marmor verzierten Platz kam, stach mir sofort ein Mann ins Gesicht. Es war ein großer Mann und ganz anders wie die anderen. Er lebte. Es war ein Vampir. Ich rannte näher an ihn heran um ihn genauer zu sehen und erkannte, dass es niemand anderer war als Gorgatuin selbst. Begleitet wurde er von Skeletten, die so wie es aussah, einmal Riesen waren. Er ging mit ihnen in den größten Turm von allen. Ich folgte ihm natürlich sofort, da ich ihn ja wichtige dinge fragen musste. Er ging mit den anderen in einen riesigen Thronsaal. Ich schaute sofort auf den Thron. Es war ein sehr schöner Thron, gebaut aus Knochen. Hundeskelette waren die Armlehnen und an der Spitze hingen Drachenköpfe, beide mit einem blutrotem Stein im Maul. Doch auf dem Thron saß niemand. Ich sah wie Gorgatuin auf ihn zuging und plötzlich wurde es mir klar: Gorgatuin hatte das Tote Land erschaffen. Er war der König. "Großer Meister", hab ich gesagt und bin auf ihn zugestürmt, "Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Endlich finde ich euch." Gorgatuin schaute mich nur herablassend an. "Wer seid ihr Toter, dass ihr mich suchet?" "Mein Name ist Aramus Lupin, Nekromant. Ich habe wichtige fragen an euch." "Ein Nekromant sagt ihr!", sagte er, "und wie ich sehe ein sehr guter, wenn ihr es geschafft habt meinen Zauber, wie auch immer ihr an ihn rangekommen seid, zu meistern. Wahrlich stark ist auch eure Aura, ich spürte sie schon lange. Doch wenn ich mich nicht irre, eure Kraft scheint recht ausgelaugt. Ich kann keinen Nekromanten hier gebrauchen. Werft ihn in die untersten Kerker, auf das er niemals herauskomme und sein Leben dort unten beenden muss." Ich schrie als mich die Riesenskelette packten. Bis in die Kerker hörte ich den König noch lachen. Man sperrte mich in eine Zelle, in der schon ein Gefangener saß. Um seinen Hals hing ein sehr schönes Medaillon. Wie viel Zeit vergangen war, wusste ich nicht, doch ich wusste, dass ich nicht mehr viel Zeit habe bevor ich mich zurückverwandeln würde.
Ich spürte wie die erste Woche verging und langsam bekam ich es mit der Angst. Mein Zellengenosse erzählte mir viel und bald darauf hatte ich eine Idee wie ich aus der Zelle verschwinden konnte. Da die Wachen allesamt Tote waren, konnte ich sie, wenn auch nur für kurze Zeit, beherrschen. Kurz bevor ich loslaufen wollte, sprach der andere Gefangene zu mir. "Du bist ein Mensch, bitte gib dieses Medaillon meinem Sohn und sag ihm, dass er den Pub verkaufen soll und, dass die Toten sich weiter ausbreiten wollen und dass ich deshalb angst um ihn habe. Würdet ihr das für mich tun? Er lebt im Pub "An der Grenze". Bitte sagt ihm dies, hier ich gebe euch das was ich noch habe." Und er gab mir diesen Sack voll Totmünzen. Ich verabschiedete mich von ihm und rannte durch den Turm. Wie ich es geschafft habe, dort wieder heraus zu kommen, weiß ich selbst nicht. Jedenfalls bin ich so schnell wie ich konnte zurück. Ungefähr zehn Stunden bevor ich hier ankam, habe ich mich zurück verwandelt. Es waren die schlimmsten Stunden. Das Gas hat mich fast aufgefressen und diese erdrückende Kälte und der harte, raue, kantige Stein hat mir sehr zugesetzt. Nun hier nehmt dieses Medaillon und nun geht, verschwindet von hier wie euer Vater es will." Er bezahlte das Essen und ging wieder nach draußen. Ich hörte nur noch einen Schrei und als ich nach draußen kam, lag dort der Nekromant, reglos und ohne Atmung, vor mir. Er war tot. Er war nicht verletzt, doch in seinen Augen sah man die blanke Angst und das Erschrecken. Ich bin noch am selben Abend abgereist und habe nie wieder einen Fuß in diese Region gesetzt.
Keinen Drachen kann man so hoch steigen lassen wie den der Phantasie.

This post was edited on 2006-11-16, 10:21 by
DragonicGuardian.