Ferinor konnte sich nicht lange der Pfeilspitzen erfreuen, da er hinter sich Schritte hörte. Die anderen schienen es auch bemerkt zu haben, da sie sich verwundert zur großen Halle umdrehten. Auf der anderen Seite der alten, verwitterten Steinwand bewegte sich jemand mit kurzen, leicht stolprigen Schritten in Richtung Ausgang. –„Ihr seid nicht zu zweit hier?“ – Ferinor vergaß für einen Augenblick seinen Zorn. Der Glasschmied, zog leise die eben benutzte Klinge wieder aus der Scheide, den Blick auf den großen Türbogen geheftet – „Offensichtlich nicht, werter Ferinor.“ Und während der Drachenreiter noch etwas zu erspähen versuchte, zog der Waldläufer seinen Bogen und legte an die Sehne an.
Bereits einen Augenblick später trat der Unbekannte ans Licht. Die drei staunten nicht schlecht, als sie einen sichtlich verschlafenen Goblin da stehen sahen. Derselbige war kaum mehr als einen Meter von Wuchs, sah recht hager aus und war zur Überraschung aller in Kleidung gehüllt, die eines Kaufmanns würdig wäre. Er trug ein rotweißes, verziertes Wams mit breiten Ärmeln, eine weiße Hose und zwei gut gefertigte Lederstiefel, seinen kahlen Kopf schmückte eine etwas zur Seite abgerutschte dunkelrote Topfmütze. Unbeholfen und sich kratzend schielte der Goblin in das Licht. Kaum streifte sein Blick eine Goblinleiche mit einem Pfeil in der Brust, begannen sich seine Augen zu weiten.
Als sie so groß geworden waren, dass sie Tellern glichen, schreckte der Goblin plötzlich hoch und schrie in einer hohen, krächzenden Stimme auf, dass Lexus dachte, sein Schwert würde zerbersten. Der seltsame Goblin blickte reflexartig zur Seite, sah den auf ihn angelegten Pfeil und verschwand mit einer Mischung aus Springen und Stolpern wiederr hinter der Mauer. „Neein. neeei äh, niktz schießen! Niktz schießeeen! Ikz habe Familiee äh.“ – erschallte es von dort. „Kommt heraus, Ratte!“ – schrie Ferinor, dessen Wut über den Tod des Hirsches wieder aufflammte. „Kommt heraus und leistet euren Kameraden Gesellschaft.“ „Neein äh. Du mikz dann erschießt. Das nikz meine Kamraden sind, ikz nur armer Mann.“
Lexus, der es für klug hielt, einzuschreiten, ließ seine beiden Bekannten hinter sich und ging zur Tür. „Ihr habt mit diesen hier nichts zu tun, sagt ihr? Beweist es!“ „Waaas? Haltz! Nikz näähr kommen! Ikz bewaffnit!“ Währenddessen stand Lexus bereits vor der Tür. Die anderen beiden kamen nach und stellten sich hinter ihn. „So antwortet, Goblin. Wenn ihr auch nur versucht, mich anzulügen, hole ich euren Kopf mit diesem hier.“ – er ließ einen Finger über die funkelnde Glasklinge fahren. „Wer seid ihr?“ „Ikz? Ikz armer Mann!..“ „NAME!“ – fiel der Drachenreiter schneidend ins Wort. „Garadz Agedzak.“ – schrie der Goblin erschrocken. „Was hast du hier gemacht?“ „Geschlafen äh.“ „Wo hast du die gute Kleidung gestohlen?“ „Gestohlen äh? Nein neein. Ikz gekauft.“ „Und wen hast du für das Geld ausrauben müssen?“ Der Goblin, der sich angesichts dieser ihm zugefügten Beleidigungen langsam vergaß, sprang plötzlich auf die Füße und schrei zu Lexus hoch.
„Van soowaz wiie eukz lasz ikz mikz nikz einen Dieb schimpfean äh! Ikz führe nämlikz Aufträge für meinen Herrn aus, ihrz nikznutzigez Flegelpakz. Da wird ikz aukz guz bezahlt, Teufel nochmal. Dabei...“ Plötzlich wechselte sich der Gesichtsausdruck des Goblins, als wäre ihm etwas siedend heiß eingefallen. Dann offenbarten seine Lippen in aller Pracht die gelben Zähne und er lächelte zu Lexus hinauf. „Akz ihr seidz ess! Warum ihr nikz gleikz sagtz? Auf eukz warte ikz schon mehrere Tage hier in diezem Drekzlokz. Bitte Herr, lasst unsz Frieden schließen. Mein Meister hat mikz nämlikz beauftragtz, euch etwaz besonderess zu zeigen! Deswegen seidz ihr dokz hier, nikz wahr?“