Subject: Auf Schwingen des Kranichs
Hier eine neue Geschichte über Qiemsua. Was haltet ihr davon? Wo sollte noch verbessert werden? Freue mich auf eure Kommentare.
Anm. - Die Hauptfigur Daliang soll keine Anspielung auf die Hafenstadt sein, mir ist nur kein besserer Name eingefallen.
Daliang betrachtete das gerade beschriebene Papier, las sich das Gedicht mehrmals durch und legte es aufseufzend neben sich auf die kunstvoll gearbeitete Steinbank. Die müden, fast verzweifelten Augen der jungen Frau widmeten sich wieder der Pracht um sie herum zu. Sie saß im Chrysantemengarten, einer windgeschützten Anlage voller ästhetischer Blumenterassen, deren beschaulicher Anblick Daliangs Gedanken stets aufklärte und Harmonie in ihr Herz brachte. Nur heute nicht. Dieses Mal konnte die Stille des sonnenverwöhnten Gartens die Elbin nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich mitten in Alil befand - der allseits lärmenden und geschäftigen Hauptstadt des Albie-Reiches, dem urbanen Superlativ an den Ufern des Shuemzu. Nur die marmornen Mauern bewahrten sie davor, wieder in die Menge zurückzukehren. Sie wollte nicht zurück. Und doch musste sie. Schon morgen war das Examen für Poesie - die letzte Möglichkeit, die Gunst ihres Vaters aufrechtzuerhalten. Dabei konnte sie doch nie wirklich gute Gedichte schreiben - die ihr aufgezwungenen Studiumsjahre an der Hohen Universität sind einfach an ihr vorbeigegangen. Nun würde sie büßen für etwas, das sie nie im Leben wollte. Zur Dienerschaft schicken wollte ihr Vater sie oder an den erstbesten Ochsen verheiraten, sollte sie die Prüfung nicht bestehen. Wie schwer es doch war, ein Kind des Adels zu sein. Doch nein, das eigentlich schwere daran war, eine Frau zu sein. Denn die älteren Brüder, alle drei bereits über Hundert, beim Militär beschäftigt, genossen eine hohe Zuwendung durch den Vater, sie hatten eigene Häuser, Familien, waren selbstständig. Doch wie sollte eine Tochter sich diesen Respekt vom Vater bekommen? Sie konnte nichts fordern und sich nicht wehren, denn dafür war sie zu schwach und deswegen zweitrangig. Eine heiße Träne kullerte an ihrem makellosen Gesicht herab doch wurde schnell abgewischt - der Stolz verbot ihr das Weinen. Noch wenige Minuten saß Daliang so da und versuchte den längst erloschenen Funken der Inspiration zu erfassen, dann erhob sie sich, packte und schritt geistesverloren Richtung Ausgang, wo die Sänfte schon vor dem Tor wartete.
***
Der Gang zum Prüfungssaal wurde zu einer innerlichen Tortur, die mit jedem Schritt, der sie dem palastähnlichen Gebäude näherbrachte, verschlimmert wurde. Es war ein breiter, gerader Steinweg, der das Tor des Kampus mit dem Hauptgebäude verband und den ganzen Platz der Universität in der Mitte teilte. Daliangs Augen waren an den Boden geheftet, doch nahm sie ihn wahr. Auch nicht die Akazien beiderseits des Weges, deren Blätter Morgenlicht auffingen und es in scharf umrissenen Strahlen auf die Erde warfen. Die zahllosen anderen Studenten, die kreuz und quer über über den Platz liefen, hörte sie nicht. Nun war sie im Gebäude. Das Herz begann wie wild zu schlagen. Die mit kostbaren Saphiren verzierten Wände schienen mit ihrem Funkeln bis in Daliangs Seele vorzudringen. Sie fühlte sich wie in einem Kerker, einem großen, reichverzierten Erdloch, in dem sie nur noch wenige Atemzüge machen durfte, bevor das Schwert des Henkers sie für immer verstummen ließ. Der rechte Korridor. Die dritte Halle. Dieser kerzenerleuchtete Prüfungsraum war durch und durch mit kleinen schachbrettartig verteilten Schreibtischen versehen, auf ihnen lagen bereits Stapel mit Reispapier und Tintenfässchen samt Pinseln. In nur wenigen Minuten würde auch sie, Daliang, davon Gebrauch machen und eigene Gedichte verfassen. Sie war bei weitem nicht die erste, denn zahlreiche Studenten saßen schon vor den Tischen - die einen meditierten, die anderen machten Handübungen, wieder andere schwatzten halblaut miteinander. Viele warfen aufgeregte Blicke zur Rednertribüne am Ende des Saals. Obwohl diese jetzt noch leer war, konnte man die Anspannung im Raum förmlich riechen. Die junge Frau suchte sich einen Platz in der hintersten Reihe und durchsah den Papierstapel, um die Gedanken wenigstens mit etwas abzulenken. Vergeblich. Vor ihrem geistigen Auge erschien ein Kranich. Sie kannte ihn bereits. Sie sah den edlen Vogel in der letzten Nacht - er stand an einem Teich und sah sie an. Als sie näher kam, schlug er mit den Flügeln, erhob sich und verschwand in den Lüften. Lange sah sie noch sehnsüchtig in den blauen Himmel, um dann aufzuwachen und festzustellen, dass sie für zwölf Minuten eingenickt war.
Das Gemurmel im Saal erstarb abrupt, als der Prüfungsleitender die Tribüne betrat. Der betagte Mann Mitte fünfhundert bewegte sich in monotoner Leichtigkeit zum Rednerpult und sprach. Und sprach. Und sprach. Etwas von Ehre, Tradition, Talent, Streben nach Perfektion und Tugendhaftigkeit glitt an Daliangs Ohren vorüber, nachdem die Einführungsrede vorbei war, forderte der Prüfer auf, die Pinsel in die Tusche zu tauchen. Der Test begann. Der erste Begriff, zu dem ein Gedicht geschrieben werden sollte, war Nacht. Daliang setzte an.
Groß ist dem rastlosen Vogel das Nest
Willkommen ist dem hungrigen Manne der Herd
Wenn die Finsternis das Land umfängt
Und die Zikaden sich des Lebens erfreuen
Wer sucht wird nicht finden
Wer hofft wird ewig hoffen müssen
Wenn die Finsternis das Land umgarnt
Und der Mond sich beschaut im Wasser
Kaum hatte sie die letzte Zeile vollendet, war die Zeit abgelaufen. Die nächsten Begriffe waren Freude, Schlacht, Shuemzu, Wort, einsame Chrysantheme, Eremit, Kindeslachen. Und schließlich Kranich. Überrascht, doch nicht im Geringsten erleichtert, beschrieb sie das letzte Blatt.
Der alles gesehen hat, nah und fern
Der alles erfasst hatte, überall
Himmel und Erde kannte er gleichermaßen
Sah Könige stürzen und Könige aufsteigen
Der unberührt ist, standhaft geblieben
Blieb rein im Herzen, unverdorben
Ward nicht gebunden, durch Eid noch Geburt
Die Freiheit dich, oh Kranich, lässt Gottheit werden
Mit Schwermut im Herzen las sie das Gedicht nochmals durch, die letzte Zeile doppelt. Dann war die Zeit abgelaufen. Mit einem Gongschlag gab der Prüfer zu verstehen, dass das Examen nun zu Ende war. Die Studenten setzten ihre Stempel unter die Arbeiten und verließen den Saal, mittlerweile etwas lockerer und in leise Gespräche untereinander vertieft, in denen hier und da auch mal ein kurzes Auflachen hörbar wurde. Daliang hielt sich abseits, wusste sie doch, dass ihre Gedichte niemals der Stufe gerecht werden würden, die für ein Bestehen der Prüfung Minimum das war. Was soll's denn ausmachen, sie würde ja sowieso Gefangene in diesem unsichtbaren Käfig bleiben. So schritt sie auch weiter, aus dem Gebäude, am geraden Steinweg entlang, zu der Sänfte ihres Hauses, deren Wappen sie schon von weitem erblickte. Die beiden stattlich gebauten Träger standen bereits daneben und hielten nach der Adelstochter Ausschau. Kurz blieb sie stehen in dem Gedanken, zu fliehen, sich mit der Menge zu vermischen und außerhalb des Blickfeldes der Sänftenträger zu verschwinden, wegzulaufen, unterzutauchen. Zu entkommen. Doch der Traum zerplatzte so schnell, wie er gekommen war. Der Größere der beiden erblickte Daliang und winkte ihr zu, die junge Frau seufzte und ging zur Sänfte. Wäre sie denn entkommen?
***
Es war schon fast Abend, als Daliang auf der Terasse erwachte. Nach ihrer Ankunft hatte der Vater sie für ihre Unnützigkeit gescholten und angeschrien. Hätte er die Zeit dazu gehabt, wäre sie wohl auch verprügelt worden, doch die Pflicht rief den alten Offizier in die Kasernen, wo er noch bis spät in die Nacht bleiben sollte. Die junge Frau setzte sich auf und blickte gen Himmel, in der Hoffnung, vielleicht einen Vogel zu erblicken, doch sie sah nur Wolken - graue, fette Gewitterwolken, die sich jeden Moment zu entladen drohten. Ohne jegliche Rührung wartete sie auf das bevorstehende Naturschhauspiel. Der erste Blitz durchschnitt den Himmel, gefolgt von gröhlendem Donner und schließlich weiteren Blitzen. Ein heftiger Sturmwind kam auf. Plötzlich wurde es düster, so düster, als hätte die Uhr zwei Stunden auf einmal übersprungen. Eine schwarze Sillouette erschien aus den Wolken, mit unauhaltsamer Schnelligkeit stürzte sie hinunter, direkt auf Alil, mitten zur Stadt. Die Gestalt war lang, sehr lang, fast wie eine fliegende Schlange bahnte sie sich ihren Weg durch den aufkommenden Wind. Die Ausmaße des Wesens konnte Daliang nicht einmal erahnen, sie wusste nur, dass die Kreatur riesig war. Schon wurden Stimmen des Entsetzens von den nahe liegenden Straßen und Plätzen hörbar. Soldaten bewaffneten sich und liefen auf die Mauern, Passanten suchten sich so schnell wie möglich irgendwo zu verstecken und selbst Daliang blieb der Mund offen stehen. Ein innerer Drang zu überleben ließ ihre Lebensgeister erwachen. Sie rannte in das Haus und versperrte die Tür. Zu Tode erschrocken stürzte sie sich in den Vorratskeller und schloss sich nach Atem ringend ein.
***
Daliang entriegelte vorsichtig die Falltür. Sie wusste nicht, wie lange sie schon hier saß, einige Stunden, womöglich Tage? Niemand war gekommen. Kaum dass die Tür geöffnet war, fiel eine Gerölllawine in den Keller und die Frau schrie auf. Sich vorsichtig hochkämpfend dachte Daliang an den fürchterlichen Krach, den sie in der Zeit ihres Aufenthaltes hier immer wieder vernommen hatte. Oben war alles verschüttet, nur mit Mühe konnte sie sich einen Weg durch die eingestürzten Wände bahnen. Nun war sie auf der Straße. Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, ein leichter Wind wehte von Osten. Doch was war passiert?! Daliang blickte auf eine rauchende Ebene. Da, wo gestern noch die größte Stadt der Welt stand, erstreckte sich nun eine Ruinenlandschaft. Alle Gebäude, selbst die Zitadelle, das Wahrzeichen Alils, waren dem Erdboden gleich gemacht worden. Überall lagen verbrannte Leichen, Feuerbrünste bahnten sich ihren Weg durch die Einöde. Alil war nicht mehr. Daliang ging einen Schritt, dann einen weiteren. Niemand sah sie. Sie war allein... und frei.
Anm. - Die Hauptfigur Daliang soll keine Anspielung auf die Hafenstadt sein, mir ist nur kein besserer Name eingefallen.
Daliang betrachtete das gerade beschriebene Papier, las sich das Gedicht mehrmals durch und legte es aufseufzend neben sich auf die kunstvoll gearbeitete Steinbank. Die müden, fast verzweifelten Augen der jungen Frau widmeten sich wieder der Pracht um sie herum zu. Sie saß im Chrysantemengarten, einer windgeschützten Anlage voller ästhetischer Blumenterassen, deren beschaulicher Anblick Daliangs Gedanken stets aufklärte und Harmonie in ihr Herz brachte. Nur heute nicht. Dieses Mal konnte die Stille des sonnenverwöhnten Gartens die Elbin nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich mitten in Alil befand - der allseits lärmenden und geschäftigen Hauptstadt des Albie-Reiches, dem urbanen Superlativ an den Ufern des Shuemzu. Nur die marmornen Mauern bewahrten sie davor, wieder in die Menge zurückzukehren. Sie wollte nicht zurück. Und doch musste sie. Schon morgen war das Examen für Poesie - die letzte Möglichkeit, die Gunst ihres Vaters aufrechtzuerhalten. Dabei konnte sie doch nie wirklich gute Gedichte schreiben - die ihr aufgezwungenen Studiumsjahre an der Hohen Universität sind einfach an ihr vorbeigegangen. Nun würde sie büßen für etwas, das sie nie im Leben wollte. Zur Dienerschaft schicken wollte ihr Vater sie oder an den erstbesten Ochsen verheiraten, sollte sie die Prüfung nicht bestehen. Wie schwer es doch war, ein Kind des Adels zu sein. Doch nein, das eigentlich schwere daran war, eine Frau zu sein. Denn die älteren Brüder, alle drei bereits über Hundert, beim Militär beschäftigt, genossen eine hohe Zuwendung durch den Vater, sie hatten eigene Häuser, Familien, waren selbstständig. Doch wie sollte eine Tochter sich diesen Respekt vom Vater bekommen? Sie konnte nichts fordern und sich nicht wehren, denn dafür war sie zu schwach und deswegen zweitrangig. Eine heiße Träne kullerte an ihrem makellosen Gesicht herab doch wurde schnell abgewischt - der Stolz verbot ihr das Weinen. Noch wenige Minuten saß Daliang so da und versuchte den längst erloschenen Funken der Inspiration zu erfassen, dann erhob sie sich, packte und schritt geistesverloren Richtung Ausgang, wo die Sänfte schon vor dem Tor wartete.
***
Der Gang zum Prüfungssaal wurde zu einer innerlichen Tortur, die mit jedem Schritt, der sie dem palastähnlichen Gebäude näherbrachte, verschlimmert wurde. Es war ein breiter, gerader Steinweg, der das Tor des Kampus mit dem Hauptgebäude verband und den ganzen Platz der Universität in der Mitte teilte. Daliangs Augen waren an den Boden geheftet, doch nahm sie ihn wahr. Auch nicht die Akazien beiderseits des Weges, deren Blätter Morgenlicht auffingen und es in scharf umrissenen Strahlen auf die Erde warfen. Die zahllosen anderen Studenten, die kreuz und quer über über den Platz liefen, hörte sie nicht. Nun war sie im Gebäude. Das Herz begann wie wild zu schlagen. Die mit kostbaren Saphiren verzierten Wände schienen mit ihrem Funkeln bis in Daliangs Seele vorzudringen. Sie fühlte sich wie in einem Kerker, einem großen, reichverzierten Erdloch, in dem sie nur noch wenige Atemzüge machen durfte, bevor das Schwert des Henkers sie für immer verstummen ließ. Der rechte Korridor. Die dritte Halle. Dieser kerzenerleuchtete Prüfungsraum war durch und durch mit kleinen schachbrettartig verteilten Schreibtischen versehen, auf ihnen lagen bereits Stapel mit Reispapier und Tintenfässchen samt Pinseln. In nur wenigen Minuten würde auch sie, Daliang, davon Gebrauch machen und eigene Gedichte verfassen. Sie war bei weitem nicht die erste, denn zahlreiche Studenten saßen schon vor den Tischen - die einen meditierten, die anderen machten Handübungen, wieder andere schwatzten halblaut miteinander. Viele warfen aufgeregte Blicke zur Rednertribüne am Ende des Saals. Obwohl diese jetzt noch leer war, konnte man die Anspannung im Raum förmlich riechen. Die junge Frau suchte sich einen Platz in der hintersten Reihe und durchsah den Papierstapel, um die Gedanken wenigstens mit etwas abzulenken. Vergeblich. Vor ihrem geistigen Auge erschien ein Kranich. Sie kannte ihn bereits. Sie sah den edlen Vogel in der letzten Nacht - er stand an einem Teich und sah sie an. Als sie näher kam, schlug er mit den Flügeln, erhob sich und verschwand in den Lüften. Lange sah sie noch sehnsüchtig in den blauen Himmel, um dann aufzuwachen und festzustellen, dass sie für zwölf Minuten eingenickt war.
Das Gemurmel im Saal erstarb abrupt, als der Prüfungsleitender die Tribüne betrat. Der betagte Mann Mitte fünfhundert bewegte sich in monotoner Leichtigkeit zum Rednerpult und sprach. Und sprach. Und sprach. Etwas von Ehre, Tradition, Talent, Streben nach Perfektion und Tugendhaftigkeit glitt an Daliangs Ohren vorüber, nachdem die Einführungsrede vorbei war, forderte der Prüfer auf, die Pinsel in die Tusche zu tauchen. Der Test begann. Der erste Begriff, zu dem ein Gedicht geschrieben werden sollte, war Nacht. Daliang setzte an.
Groß ist dem rastlosen Vogel das Nest
Willkommen ist dem hungrigen Manne der Herd
Wenn die Finsternis das Land umfängt
Und die Zikaden sich des Lebens erfreuen
Wer sucht wird nicht finden
Wer hofft wird ewig hoffen müssen
Wenn die Finsternis das Land umgarnt
Und der Mond sich beschaut im Wasser
Kaum hatte sie die letzte Zeile vollendet, war die Zeit abgelaufen. Die nächsten Begriffe waren Freude, Schlacht, Shuemzu, Wort, einsame Chrysantheme, Eremit, Kindeslachen. Und schließlich Kranich. Überrascht, doch nicht im Geringsten erleichtert, beschrieb sie das letzte Blatt.
Der alles gesehen hat, nah und fern
Der alles erfasst hatte, überall
Himmel und Erde kannte er gleichermaßen
Sah Könige stürzen und Könige aufsteigen
Der unberührt ist, standhaft geblieben
Blieb rein im Herzen, unverdorben
Ward nicht gebunden, durch Eid noch Geburt
Die Freiheit dich, oh Kranich, lässt Gottheit werden
Mit Schwermut im Herzen las sie das Gedicht nochmals durch, die letzte Zeile doppelt. Dann war die Zeit abgelaufen. Mit einem Gongschlag gab der Prüfer zu verstehen, dass das Examen nun zu Ende war. Die Studenten setzten ihre Stempel unter die Arbeiten und verließen den Saal, mittlerweile etwas lockerer und in leise Gespräche untereinander vertieft, in denen hier und da auch mal ein kurzes Auflachen hörbar wurde. Daliang hielt sich abseits, wusste sie doch, dass ihre Gedichte niemals der Stufe gerecht werden würden, die für ein Bestehen der Prüfung Minimum das war. Was soll's denn ausmachen, sie würde ja sowieso Gefangene in diesem unsichtbaren Käfig bleiben. So schritt sie auch weiter, aus dem Gebäude, am geraden Steinweg entlang, zu der Sänfte ihres Hauses, deren Wappen sie schon von weitem erblickte. Die beiden stattlich gebauten Träger standen bereits daneben und hielten nach der Adelstochter Ausschau. Kurz blieb sie stehen in dem Gedanken, zu fliehen, sich mit der Menge zu vermischen und außerhalb des Blickfeldes der Sänftenträger zu verschwinden, wegzulaufen, unterzutauchen. Zu entkommen. Doch der Traum zerplatzte so schnell, wie er gekommen war. Der Größere der beiden erblickte Daliang und winkte ihr zu, die junge Frau seufzte und ging zur Sänfte. Wäre sie denn entkommen?
***
Es war schon fast Abend, als Daliang auf der Terasse erwachte. Nach ihrer Ankunft hatte der Vater sie für ihre Unnützigkeit gescholten und angeschrien. Hätte er die Zeit dazu gehabt, wäre sie wohl auch verprügelt worden, doch die Pflicht rief den alten Offizier in die Kasernen, wo er noch bis spät in die Nacht bleiben sollte. Die junge Frau setzte sich auf und blickte gen Himmel, in der Hoffnung, vielleicht einen Vogel zu erblicken, doch sie sah nur Wolken - graue, fette Gewitterwolken, die sich jeden Moment zu entladen drohten. Ohne jegliche Rührung wartete sie auf das bevorstehende Naturschhauspiel. Der erste Blitz durchschnitt den Himmel, gefolgt von gröhlendem Donner und schließlich weiteren Blitzen. Ein heftiger Sturmwind kam auf. Plötzlich wurde es düster, so düster, als hätte die Uhr zwei Stunden auf einmal übersprungen. Eine schwarze Sillouette erschien aus den Wolken, mit unauhaltsamer Schnelligkeit stürzte sie hinunter, direkt auf Alil, mitten zur Stadt. Die Gestalt war lang, sehr lang, fast wie eine fliegende Schlange bahnte sie sich ihren Weg durch den aufkommenden Wind. Die Ausmaße des Wesens konnte Daliang nicht einmal erahnen, sie wusste nur, dass die Kreatur riesig war. Schon wurden Stimmen des Entsetzens von den nahe liegenden Straßen und Plätzen hörbar. Soldaten bewaffneten sich und liefen auf die Mauern, Passanten suchten sich so schnell wie möglich irgendwo zu verstecken und selbst Daliang blieb der Mund offen stehen. Ein innerer Drang zu überleben ließ ihre Lebensgeister erwachen. Sie rannte in das Haus und versperrte die Tür. Zu Tode erschrocken stürzte sie sich in den Vorratskeller und schloss sich nach Atem ringend ein.
***
Daliang entriegelte vorsichtig die Falltür. Sie wusste nicht, wie lange sie schon hier saß, einige Stunden, womöglich Tage? Niemand war gekommen. Kaum dass die Tür geöffnet war, fiel eine Gerölllawine in den Keller und die Frau schrie auf. Sich vorsichtig hochkämpfend dachte Daliang an den fürchterlichen Krach, den sie in der Zeit ihres Aufenthaltes hier immer wieder vernommen hatte. Oben war alles verschüttet, nur mit Mühe konnte sie sich einen Weg durch die eingestürzten Wände bahnen. Nun war sie auf der Straße. Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, ein leichter Wind wehte von Osten. Doch was war passiert?! Daliang blickte auf eine rauchende Ebene. Da, wo gestern noch die größte Stadt der Welt stand, erstreckte sich nun eine Ruinenlandschaft. Alle Gebäude, selbst die Zitadelle, das Wahrzeichen Alils, waren dem Erdboden gleich gemacht worden. Überall lagen verbrannte Leichen, Feuerbrünste bahnten sich ihren Weg durch die Einöde. Alil war nicht mehr. Daliang ging einen Schritt, dann einen weiteren. Niemand sah sie. Sie war allein... und frei.
Caraz
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das einzige was ich aus zu setzen hätte (wenn ich was auszusetzen hätte
) währe das ich keine tatsächliche vorstellung von der Bombastizität der Stadt habe. Vor meinem Geistigen Auge hab ich eine mittlel große Stadt vo etwa 3000 bis 4500 Einwohnern die im algemeinen sehr viele besucher verzeichnet aber ich glaube du woltest eher den eindruck vermitteln so um die 300.000 bis 450.000 Einwohnern hab ich recht???